Papier: 2.1.5 Einschränkungen von Grundrechten / Kollidierende Rechtsgüter
Originalversion
| 1 | Gerade im Bereich des Internet sind zum Teil schwierige |
| 2 | Grundrechtskollisionen vorgezeichnet, wie z.B. die sog. |
| 3 | Spickmich-Entscheidung des BGH zeigt. Pauschale |
| 4 | Gegenüberstellungen etwa mit dem Eigentumsgrundrecht oder |
| 5 | der Berufausübungsfreiheit aber verbieten sich, da oft genug |
| 6 | gefragt werden muss, ob bestimmte Grundrechtsausübungen |
| 7 | zugleich den Schutz des Umgangs mit den Daten von dritten |
| 8 | Grundrechtsträgern umfassen. Hier ist eine besonders |
| 9 | differenzierte Darstellung zu empfehlen. |
| 10 | |
| 11 | Jedermann hat das Recht, über die Preisgabe und Verwendung |
| 12 | seiner persönlichen Daten grundsätzlich selbst zu bestimmen. |
| 13 | Einschränkungen dieses Rechts auf informationelle |
| 14 | Selbstbestimmung sind nur im überwiegenden |
| 15 | Allgemeininteresse zulässig. Dieses „Recht auf |
| 16 | informationelle Selbstbestimmung“, wie es das |
| 17 | Bundesverfassungsgericht 1983 in seiner Entscheidung zur |
| 18 | Volkszählung, also im Hinblick auf eine staatliche Maßnahme, |
| 19 | beschrieben hat, ist einerseits - als Ausprägung des |
| 20 | allgemeinen Persönlichkeitsrechts aus Art. 2 Abs. 1 i. V. m. |
| 21 | Art. 1 Abs. 1 GG – ein individuelles Abwehrrecht gegenüber |
| 22 | staatlichen Eingriffen. |
| 23 | |
| 24 | Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts wirkt |
| 25 | sich das Recht auf informationelle Selbstbestimmung aber |
| 26 | darüberhinaus im Sinne einer Drittwirkung auch auf die |
| 27 | Auslegung und Anwendung privatrechtlicher Vorschriften aus |
| 28 | und begründet staatliche Schutzpflichten. Die staatliche |
| 29 | Gewalt ist danach verpflichtet, dem Einzelnen seine |
| 30 | informationelle Selbstbestimmung im Verhältnis zu Dritten zu |
| 31 | ermöglichen. [Fußnote: BVerG, Beschluss vom 23.10.2006 – BvR |
| 32 | 2027//02, Rn 30.]Gegebenenfalls müssen staatlicherseits die |
| 33 | rechtlichen Bedingungen geschaffen und erhalten werden, |
| 34 | unter denen der Einzelne selbstbestimmt an |
| 35 | Kommunikationsprozessen teilnehmen kann. [Fußnote: BVerG, |
| 36 | Beschluss vom 23.10.2006 – BvR 2027//02, Rn. 33.] |
| 37 | |
| 38 | Nicht jede Beeinträchtigung eines grundrechtlichen |
| 39 | Schutzbereichs führt per se zur Verfassungswidrigkeit der |
| 40 | Maßnahme. Zum einen kann der Betroffene in die Maßnahme |
| 41 | einwilligen und seine Daten freiwillig preisgeben, was vom |
| 42 | Staat zu respektieren ist. [Fußnote: Vgl. BVerfG-K, 1 BvR |
| 43 | 2027/02 vom 23.10.2006, Absatz-Nr. 34, |
| 44 | http://www.bverfg.de/entscheidungen/rk20061023_1bvr202702.ht |
| 45 | ml; Schoch, JURA 2008. 352, 357.] Aber auch ohne |
| 46 | Einwilligung wird der verfassungsrechtliche Datenschutz |
| 47 | nicht grenzenlos gewährleistet, sondern kann beschränkt |
| 48 | werden. Das Bundesverfassungsgericht hat hierzu bereits 1983 |
| 49 | im sogenannten Volkszählungsurteil dargelegt: "Das |
| 50 | Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis des |
| 51 | Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und |
| 52 | Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen. |
| 53 | Einschränkungen dieses Rechts auf "informationelle |
| 54 | Selbstbestimmung" sind nur im überwiegenden |
| 55 | Allgemeininteresse zulässig." |
| 56 | |
| 57 | Für diese Schrankenziehung hat das BVerfG seit dem |
| 58 | Volkszählungsurteil eine Reihe von Vorgaben aufgestellt, die |
| 59 | es zu beachten gilt. Dabei gelten für die genannten |
| 60 | Grundrechte weitgehend die gleichen Maßstäbe. [Fußnote: Vgl. |
| 61 | BVerfGE 115, 320, 347; Gurlit, NJW 2010, 1035, 1037 f.] |
| 62 | |
| 63 | Grundlegende Voraussetzung für einen zulässigen Eingriff in |
| 64 | das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist das |
| 65 | Vorhandensein einer gesetzlichen Grundlage, welche die |
| 66 | Voraussetzungen und den Umfang der Beschränkungen klar |
| 67 | erkennen lässt. [Fußnote: BVerfGE 65, 1, 44.] Das |
| 68 | Erfordernis einer gesetzlichen Grundlage (Gesetzesvorbehalt) |
| 69 | folgt bereits aus Art. 2 Abs. 1 GG, wonach das allgemeine |
| 70 | Persönlichkeitsrecht nur innerhalb der verfassungsmäßigen |
| 71 | Ordnung gewährleistet wird. Die gesetzliche Grundlage muss |
| 72 | dem Gebot der Normenklarheit entsprechen, was bedeutet, dass |
| 73 | Anlass, Zweck und Grenzen eines Eingriffs in der |
| 74 | Ermächtigung bereichsspezifisch, präzise und für den Bürger |
| 75 | klar erkennbar festgelegt werden müssen. [Fußnote: |
| 76 | Kühling/Seidel/Sivridis, Datenschutzrecht, S. 79 m.w.N. aus |
| 77 | der Rspr. des BVerfG.] |
| 78 | |
| 79 | Weiterhin muss der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz beachtet |
| 80 | werden. Das bedeutet, dass die Maßnahme einen legitimen |
| 81 | Zweck verfolgen, zu dessen Erreichung geeignet, erforderlich |
| 82 | und verhältnismäßig sein muss. [Fußnote: BVerfGE 115, 320, |
| 83 | 345 ff.] Der Zweck muss von vornherein bestimmt sein. Die |
| 84 | ständige Rechtsprechung des BVerfG bringt deutlich zum |
| 85 | Ausdruck, „dass dem Staat eine Sammlung von |
| 86 | personenbezogenen Daten auf Vorrat zu unbestimmten oder noch |
| 87 | nicht bestimmbaren Zwecken verfassungsrechtlich strikt |
| 88 | untersagt ist.“ [Fußnote: BVerfG NJW 2010, 833, 839 Rn. |
| 89 | 213.] |
| 90 | Es besteht demnach ein "Schutz des Einzelnen gegen |
| 91 | unbegrenzte Erhebung, Speicherung, Verwendung und |
| 92 | Weitergabe seiner persönlichen Daten". Das Grundrecht auf |
| 93 | informationelle Selbstbestimmung wird als besondere |
| 94 | Ausprägung des schon zuvor grundrechtlich geschützten |
| 95 | allgemeinen Persönlichkeitsrechts angesehen. Wie dieses |
| 96 | wird es verfassungsrechtlich aus Art. 2 Abs. 1 (sog. |
| 97 | allgemeine Handlungsfreiheit) in Verbindung mit Art. 1 Abs. |
| 98 | 1 GG (Menschenwürde-Garantie) hergeleitet. |
| 99 | |
| 100 | In der Verhältnismäßigkeitsprüfung findet eine Güterabwägung |
| 101 | zwischen dem verfolgten Zweck und dem Recht auf |
| 102 | informationelle Selbstbestimmung statt. Dabei ist von der |
| 103 | Prämisse auszugehen, dass Grundrechte „jeweils nur soweit |
| 104 | beschränkt werden dürfen, als es zum Schutze öffentlicher |
| 105 | Interessen unerlässlich ist.“ [Fußnote: BVerfGE 65, 1, 44.] |
| 106 | In der Abwägung ist vor allem das Gewicht der |
| 107 | Grundrechtsbeeinträchtigung zu beachten. Bei der Beurteilung |
| 108 | der Schwere des Eingriffs sind z.B. die folgenden Kriterien |
| 109 | zu berücksichtigen: |
| 110 | |
| 111 | • in welche Sphäre die Maßnahme eingreift (Sozial-, Privat- |
| 112 | oder Intimsphäre). [Fußnote: In die Intimsphäre darf gar |
| 113 | nicht eingegriffen werden, in die Privat- oder |
| 114 | Geheimnissphäre nur unter besonders strenger Wahrung des |
| 115 | Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes und in die Sozialsphäre |
| 116 | bereits nach den Kriterien, die für einen Eingriff in die |
| 117 | allgemeine Handlungsfreiheit gelten. Vgl. Murswiek, in: |
| 118 | Sachs, GG, Art. 2 Rn. 104 m.w.N.] Die unterschiedliche |
| 119 | Schutzintensität der drei Sphären kann aber nicht im Sinne |
| 120 | eines starren Schemas verstanden werden, sondern nur als |
| 121 | erster Orientierungspunkt für die Intensität der |
| 122 | Grundrechtsbeeinträchtigung und für die Gewichtung der diese |
| 123 | Beeinträchtigung rechtfertigenden Gründe. |
| 124 | |
| 125 | • wie viele Grundrechtsträger betroffen sind; [Fußnote: |
| 126 | BVerfGE 115, 320, 347.] |
| 127 | |
| 128 | • wie intensiv die Beeinträchtigungen sind; [Fußnote: |
| 129 | BVerfGE 115, 320, 347.] |
| 130 | |
| 131 | • welche Inhalte von dem Eingriff erfasst werden, |
| 132 | insbesondere welchen Grad an Persönlichkeitsrelevanz die |
| 133 | betroffenen Informationen je für sich und in ihrer |
| 134 | Verknüpfung mit anderen aufweisen; [Fußnote: BVerfGE 115, |
| 135 | 320, 348.] |
| 136 | |
| 137 | • ob besondere Vertraulichkeitserwartungen verletzt werden; |
| 138 | [Fußnote: BVerfGE 115, 320, 348.] |
| 139 | |
| 140 | • auf welchem Weg die Inhalte erlangt werden; [Fußnote: |
| 141 | BVerfGE 115, 320, 348.] |
| 142 | |
| 143 | • welche weiteren Folgen oder Nachteile die Datenerhebung |
| 144 | nach sich ziehen kann, z.B. |
| 145 | |
| 146 | - das Risiko, Gegenstand staatlicher Ermittlungsmaßnahmen zu |
| 147 | werden, das über das allgemeine Risiko hinausgeht, einem |
| 148 | unberechtigten Verdacht-ausgesetzt zu werden, |
| 149 | |
| 150 | - eine stigmatisierende Wirkung; [Fußnote: BVerfGE 115, 320, |
| 151 | 351 ff.] |
| 152 | |
| 153 | • die Heimlichkeit einer staatlichen Maßnahme, welche z.B. |
| 154 | die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Rechtsschutz im |
| 155 | Vergleich zur offenen Datenerhebung wesentlich erschwert; |
| 156 | [Fußnote: Vgl. z.B. BVerfGE 120, 274, 325; 124, 43, 62 f. |
| 157 | und 65 f.] |
| 158 | |
| 159 | • der Verdachtsgrad; |
| 160 | |
| 161 | • über welchen Zeitraum die Daten erhoben, verarbeitet und |
| 162 | genutzt werden können; |
| 163 | |
| 164 | • und die Streubreite einer Maßnahme. |
| 165 | |
| 166 | Zum zuletzt genannten Punkt hat das BVerfG ausgeführt: |
| 167 | „Grundrechtseingriffe, die sowohl durch Verdachtslosigkeit |
| 168 | als auch durch eine große Streubreite gekennzeichnet sind – |
| 169 | bei denen also zahlreiche Personen in den Wirkungsbereich |
| 170 | einer Maßnahme einbezogen werden, die in keiner Beziehung zu |
| 171 | einem konkreten Fehlverhalten stehen und den Eingriff durch |
| 172 | ihr Verhalten nicht veranlasst haben – weisen grundsätzlich |
| 173 | eine hohe Eingriffsintensität auf…. Denn der Einzelne ist in |
| 174 | seiner grundrechtlichen Freiheit umso intensiver betroffen, |
| 175 | je weniger er selbst für einen staatlichen Eingriff Anlass |
| 176 | gegeben hat. Von solchen Eingriffen können ferner |
| 177 | Einschüchterungseffekte ausgehen, die zu Beeinträchtigungen |
| 178 | bei der Ausübung von Grundrechten führen können. … Es |
| 179 | gefährdet die Unbefangenheit des Verhaltens, wenn die |
| 180 | Streubreite von Ermittlungsmaßnahmen dazu beiträgt, dass |
| 181 | Risiken des Missbrauchs und ein Gefühl des Überwachtwerdens |
| 182 | entstehen … .“ [Fußnote: BVerfGE 115, 320, 354 f.] |
| 183 | |
| 184 | Das Bundesverfassungsgericht hat eine anlasslose Speicherung |
| 185 | von Telekommunikationsverkehrsdaten zwar nicht schlechthin |
| 186 | als verfassungswidrig angesehen, aber betont, dass es sich |
| 187 | um einen besonders schweren Eingriff handele, der höchsten |
| 188 | verfassungsrechtlichen Anforderungen bei der Ausgestaltung |
| 189 | der Regelungen unterliegt. |
| 190 | |
| 191 | Je schwerer die Grundrechtsbeeinträchtigung wiegt, desto |
| 192 | höher muss das staatliche Schutzgut wiegen, um den Eingriff |
| 193 | rechtfertigen zu können. In die Waagschale gelegt werden |
| 194 | können hier z.B.: |
| 195 | |
| 196 | • die Sicherheit des Staates als verfasste Friedens- und |
| 197 | Ordnungsmacht und die von ihm zu gewährleistende Sicherheit |
| 198 | der Bevölkerung vor Gefahren für Leib, Leben und Freiheit;[ |
| 199 | Fußnote: BVerfGE 120, 274, 319 und 328.] |
| 200 | |
| 201 | • die Abwehr von Beeinträchtigungen der Grundlagen einer |
| 202 | freiheitlichen demokratischen Grundordnung; [Fußnote: |
| 203 | BVerfGE 115, 320, 358.] |
| 204 | |
| 205 | • die Sicherung der Funktionsfähigkeit wesentlicher Teile |
| 206 | existenzsichernder öffentlicher Versorgungseinrichtungen; |
| 207 | [Fußnote: BVerfGE 120, 274, 328.] |
| 208 | |
| 209 | • die Verhütung und Verfolgung von Straftaten von |
| 210 | erheblicher Bedeutung [Fußnote: BVerfGE 113, 348, 385.]bzw. |
| 211 | schwerwiegender Straftaten. [Fußnote: BVerfG NJW 2010, 833, |
| 212 | 848 Rn. 279.] |
| 213 | |
| 214 | Eine absolute Grenze der Zulässigkeit einer Datenerhebung |
| 215 | bildet die Schranken-Schranke des unantastbaren Kernbereichs |
| 216 | privater Lebensgestaltung, insbesondere im Bereich der |
| 217 | Intimsphäre. Staatliche Stellen „haben einen unantastbaren |
| 218 | Kernbereich privater Lebensgestaltung zu wahren, dessen |
| 219 | Schutz sich aus Art. 1 Abs. 1 GG ergibt. … Selbst |
| 220 | überwiegende Interessen der Allgemeinheit können einen |
| 221 | Eingriff in ihn nicht rechtfertigen … Zur Entfaltung der |
| 222 | Persönlichkeit im Kernbereich privater Lebensgestaltung |
| 223 | gehört die Möglichkeit, innere Vorgänge wie Empfindungen und |
| 224 | Gefühle sowie Überlegungen, Ansichten und Erlebnisse |
| 225 | höchstpersönlicher Art ohne die Angst zum Ausdruck zu |
| 226 | bringen, dass staatliche Stellen dies überwachen.“ [Fußnote: |
| 227 | BVerfGE 120, 274, 335.] Deshalb hat das BVerfG als |
| 228 | Voraussetzung für einen Zugriff auf einen Bereich, in dem |
| 229 | solche Kernbereichsdaten (z.B. tagebuchartige |
| 230 | Aufzeichnungen, private Film- oder Tondokumente, |
| 231 | höchstpersönliche Telefonate oder Emails) zu vermuten sind, |
| 232 | das Erfordernis besonderer gesetzlicher Vorkehrungen |
| 233 | aufgestellt, um den Kernbereich der privaten |
| 234 | Lebensgestaltung zu schützen. [Fußnote: BVerfGE 120, 274, |
| 235 | 336 ff.]So lässt sich die (beiläufige) Erfassung solcher |
| 236 | Daten nicht immer verhindern. Jedoch sind entsprechende |
| 237 | Maßnahmen abzubrechen, sobald erkannt wird, dass sie in den |
| 238 | Kernbereich vordringen oder zumindest im Nachhinein umgehend |
| 239 | zu löschen. [Fußnote: BVerfGE 120, 274, 337.] |
| 240 | |
| 241 | Aber auch unabhängig von diesem Kernbereich hat der |
| 242 | Gesetzgeber „organisatorische und verfahrensrechtliche |
| 243 | Vorkehrungen zu treffen, welche der Gefahr einer Verletzung |
| 244 | des Persönlichkeitsrechts entgegenwirken.“ [Fußnote: BVerfGE |
| 245 | 65, 1, 44.] Dazu gehört auch die Sicherheit der Daten. So |
| 246 | hat das BVerfG in seiner Entscheidung zur |
| 247 | Vorratsdatenspeicherung vor allem die „gesetzliche |
| 248 | Gewährleistung eines besonders hohen Standards der |
| 249 | Datensicherheit“ eingefordert. [Fußnote: BVerfG NJW 2010, |
| 250 | 833, 840 Rn. 221.] |
| 251 | |
| 252 | Im Falle des heimlichen Zugriffes auf die |
| 253 | Datenverarbeitungsanlagen von Privatpersonen durch |
| 254 | Sicherheitsbehörden (sog. Online-Durchsuchung) bestehen |
| 255 | besonders hohe Hürden für den Gesetzgeber, die sich |
| 256 | vorrangig aus dem neugeschaffenen Grundrecht auf |
| 257 | Vertraulichkeit und der Integrität informationstechnischer |
| 258 | Systeme ableiten. Sie sind nur zulässig, wenn Gefahren für |
| 259 | überragend wichtige Rechtsgüter bestehen, die sich in |
| 260 | Gestalt von tatsächlichen Anhaltspunkten einer konkreten |
| 261 | Gefahr manifestieren. Neben dem grundsätzlich geltenden |
| 262 | Vorbehalt richterlicher Anordnung müssen u.a. auch |
| 263 | Vorkehrungen getroffen werden, die den Kernbereich privater |
| 264 | Lebensgestaltung schützen. |
Der Text verglichen mit der Originalversion
| 1 | Gerade im Bereich des Internet sind zum Teil schwierige |
| 2 | Grundrechtskollisionen vorgezeichnet, wie z.B. die sog. |
| 3 | Spickmich-Entscheidung des BGH zeigt. Pauschale |
| 4 | Gegenüberstellungen etwa mit dem Eigentumsgrundrecht oder |
| 5 | der Berufausübungsfreiheit aber verbieten sich, da oft genug |
| 6 | gefragt werden muss, ob bestimmte Grundrechtsausübungen |
| 7 | zugleich den Schutz des Umgangs mit den Daten von dritten |
| 8 | Grundrechtsträgern umfassen. Hier ist eine besonders |
| 9 | differenzierte Darstellung zu empfehlen. |
| 10 | |
| 11 | Jedermann hat das Recht, über die Preisgabe und Verwendung |
| 12 | seiner persönlichen Daten grundsätzlich selbst zu bestimmen. |
| 13 | Einschränkungen dieses Rechts auf informationelle |
| 14 | Selbstbestimmung sind nur im überwiegenden |
| 15 | Allgemeininteresse zulässig. Dieses „Recht auf |
| 16 | informationelle Selbstbestimmung“, wie es das |
| 17 | Bundesverfassungsgericht 1983 in seiner Entscheidung zur |
| 18 | Volkszählung, also im Hinblick auf eine staatliche Maßnahme, |
| 19 | beschrieben hat, ist einerseits - als Ausprägung des |
| 20 | allgemeinen Persönlichkeitsrechts aus Art. 2 Abs. 1 i. V. m. |
| 21 | Art. 1 Abs. 1 GG – ein individuelles Abwehrrecht gegenüber |
| 22 | staatlichen Eingriffen. |
| 23 | |
| 24 | Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts wirkt |
| 25 | sich das Recht auf informationelle Selbstbestimmung aber |
| 26 | darüberhinaus im Sinne einer Drittwirkung auch auf die |
| 27 | Auslegung und Anwendung privatrechtlicher Vorschriften aus |
| 28 | und begründet staatliche Schutzpflichten. Die staatliche |
| 29 | Gewalt ist danach verpflichtet, dem Einzelnen seine |
| 30 | informationelle Selbstbestimmung im Verhältnis zu Dritten zu |
| 31 | ermöglichen. [Fußnote: BVerG, Beschluss vom 23.10.2006 – BvR |
| 32 | 2027//02, Rn 30.]Gegebenenfalls müssen staatlicherseits die |
| 33 | rechtlichen Bedingungen geschaffen und erhalten werden, |
| 34 | unter denen der Einzelne selbstbestimmt an |
| 35 | Kommunikationsprozessen teilnehmen kann. [Fußnote: BVerG, |
| 36 | Beschluss vom 23.10.2006 – BvR 2027//02, Rn. 33.] |
| 37 | |
| 38 | Nicht jede Beeinträchtigung eines grundrechtlichen |
| 39 | Schutzbereichs führt per se zur Verfassungswidrigkeit der |
| 40 | Maßnahme. Zum einen kann der Betroffene in die Maßnahme |
| 41 | einwilligen und seine Daten freiwillig preisgeben, was vom |
| 42 | Staat zu respektieren ist. [Fußnote: Vgl. BVerfG-K, 1 BvR |
| 43 | 2027/02 vom 23.10.2006, Absatz-Nr. 34, |
| 44 | http://www.bverfg.de/entscheidungen/rk20061023_1bvr202702.ht |
| 45 | ml; Schoch, JURA 2008. 352, 357.] Aber auch ohne |
| 46 | Einwilligung wird der verfassungsrechtliche Datenschutz |
| 47 | nicht grenzenlos gewährleistet, sondern kann beschränkt |
| 48 | werden. Das Bundesverfassungsgericht hat hierzu bereits 1983 |
| 49 | im sogenannten Volkszählungsurteil dargelegt: "Das |
| 50 | Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis des |
| 51 | Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und |
| 52 | Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen. |
| 53 | Einschränkungen dieses Rechts auf "informationelle |
| 54 | Selbstbestimmung" sind nur im überwiegenden |
| 55 | Allgemeininteresse zulässig." |
| 56 | |
| 57 | Für diese Schrankenziehung hat das BVerfG seit dem |
| 58 | Volkszählungsurteil eine Reihe von Vorgaben aufgestellt, die |
| 59 | es zu beachten gilt. Dabei gelten für die genannten |
| 60 | Grundrechte weitgehend die gleichen Maßstäbe. [Fußnote: Vgl. |
| 61 | BVerfGE 115, 320, 347; Gurlit, NJW 2010, 1035, 1037 f.] |
| 62 | |
| 63 | Grundlegende Voraussetzung für einen zulässigen Eingriff in |
| 64 | das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist das |
| 65 | Vorhandensein einer gesetzlichen Grundlage, welche die |
| 66 | Voraussetzungen und den Umfang der Beschränkungen klar |
| 67 | erkennen lässt. [Fußnote: BVerfGE 65, 1, 44.] Das |
| 68 | Erfordernis einer gesetzlichen Grundlage (Gesetzesvorbehalt) |
| 69 | folgt bereits aus Art. 2 Abs. 1 GG, wonach das allgemeine |
| 70 | Persönlichkeitsrecht nur innerhalb der verfassungsmäßigen |
| 71 | Ordnung gewährleistet wird. Die gesetzliche Grundlage muss |
| 72 | dem Gebot der Normenklarheit entsprechen, was bedeutet, dass |
| 73 | Anlass, Zweck und Grenzen eines Eingriffs in der |
| 74 | Ermächtigung bereichsspezifisch, präzise und für den Bürger |
| 75 | klar erkennbar festgelegt werden müssen. [Fußnote: |
| 76 | Kühling/Seidel/Sivridis, Datenschutzrecht, S. 79 m.w.N. aus |
| 77 | der Rspr. des BVerfG.] |
| 78 | |
| 79 | Weiterhin muss der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz beachtet |
| 80 | werden. Das bedeutet, dass die Maßnahme einen legitimen |
| 81 | Zweck verfolgen, zu dessen Erreichung geeignet, erforderlich |
| 82 | und verhältnismäßig sein muss. [Fußnote: BVerfGE 115, 320, |
| 83 | 345 ff.] Der Zweck muss von vornherein bestimmt sein. Die |
| 84 | ständige Rechtsprechung des BVerfG bringt deutlich zum |
| 85 | Ausdruck, „dass dem Staat eine Sammlung von |
| 86 | personenbezogenen Daten auf Vorrat zu unbestimmten oder noch |
| 87 | nicht bestimmbaren Zwecken verfassungsrechtlich strikt |
| 88 | untersagt ist.“ [Fußnote: BVerfG NJW 2010, 833, 839 Rn. |
| 89 | 213.] |
| 90 | Es besteht demnach ein "Schutz des Einzelnen gegen |
| 91 | unbegrenzte Erhebung, Speicherung, Verwendung und |
| 92 | Weitergabe seiner persönlichen Daten". Das Grundrecht auf |
| 93 | informationelle Selbstbestimmung wird als besondere |
| 94 | Ausprägung des schon zuvor grundrechtlich geschützten |
| 95 | allgemeinen Persönlichkeitsrechts angesehen. Wie dieses |
| 96 | wird es verfassungsrechtlich aus Art. 2 Abs. 1 (sog. |
| 97 | allgemeine Handlungsfreiheit) in Verbindung mit Art. 1 Abs. |
| 98 | 1 GG (Menschenwürde-Garantie) hergeleitet. |
| 99 | |
| 100 | In der Verhältnismäßigkeitsprüfung findet eine Güterabwägung |
| 101 | zwischen dem verfolgten Zweck und dem Recht auf |
| 102 | informationelle Selbstbestimmung statt. Dabei ist von der |
| 103 | Prämisse auszugehen, dass Grundrechte „jeweils nur soweit |
| 104 | beschränkt werden dürfen, als es zum Schutze öffentlicher |
| 105 | Interessen unerlässlich ist.“ [Fußnote: BVerfGE 65, 1, 44.] |
| 106 | In der Abwägung ist vor allem das Gewicht der |
| 107 | Grundrechtsbeeinträchtigung zu beachten. Bei der Beurteilung |
| 108 | der Schwere des Eingriffs sind z.B. die folgenden Kriterien |
| 109 | zu berücksichtigen: |
| 110 | |
| 111 | • in welche Sphäre die Maßnahme eingreift (Sozial-, Privat- |
| 112 | oder Intimsphäre). [Fußnote: In die Intimsphäre darf gar |
| 113 | nicht eingegriffen werden, in die Privat- oder |
| 114 | Geheimnissphäre nur unter besonders strenger Wahrung des |
| 115 | Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes und in die Sozialsphäre |
| 116 | bereits nach den Kriterien, die für einen Eingriff in die |
| 117 | allgemeine Handlungsfreiheit gelten. Vgl. Murswiek, in: |
| 118 | Sachs, GG, Art. 2 Rn. 104 m.w.N.] Die unterschiedliche |
| 119 | Schutzintensität der drei Sphären kann aber nicht im Sinne |
| 120 | eines starren Schemas verstanden werden, sondern nur als |
| 121 | erster Orientierungspunkt für die Intensität der |
| 122 | Grundrechtsbeeinträchtigung und für die Gewichtung der diese |
| 123 | Beeinträchtigung rechtfertigenden Gründe. |
| 124 | |
| 125 | • wie viele Grundrechtsträger betroffen sind; [Fußnote: |
| 126 | BVerfGE 115, 320, 347.] |
| 127 | |
| 128 | • wie intensiv die Beeinträchtigungen sind; [Fußnote: |
| 129 | BVerfGE 115, 320, 347.] |
| 130 | |
| 131 | • welche Inhalte von dem Eingriff erfasst werden, |
| 132 | insbesondere welchen Grad an Persönlichkeitsrelevanz die |
| 133 | betroffenen Informationen je für sich und in ihrer |
| 134 | Verknüpfung mit anderen aufweisen; [Fußnote: BVerfGE 115, |
| 135 | 320, 348.] |
| 136 | |
| 137 | • ob besondere Vertraulichkeitserwartungen verletzt werden; |
| 138 | [Fußnote: BVerfGE 115, 320, 348.] |
| 139 | |
| 140 | • auf welchem Weg die Inhalte erlangt werden; [Fußnote: |
| 141 | BVerfGE 115, 320, 348.] |
| 142 | |
| 143 | • welche weiteren Folgen oder Nachteile die Datenerhebung |
| 144 | nach sich ziehen kann, z.B. |
| 145 | |
| 146 | - das Risiko, Gegenstand staatlicher Ermittlungsmaßnahmen zu |
| 147 | werden, das über das allgemeine Risiko hinausgeht, einem |
| 148 | unberechtigten Verdacht-ausgesetzt zu werden, |
| 149 | |
| 150 | - eine stigmatisierende Wirkung; [Fußnote: BVerfGE 115, 320, |
| 151 | 351 ff.] |
| 152 | |
| 153 | • die Heimlichkeit einer staatlichen Maßnahme, welche z.B. |
| 154 | die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Rechtsschutz im |
| 155 | Vergleich zur offenen Datenerhebung wesentlich erschwert; |
| 156 | [Fußnote: Vgl. z.B. BVerfGE 120, 274, 325; 124, 43, 62 f. |
| 157 | und 65 f.] |
| 158 | |
| 159 | • der Verdachtsgrad; |
| 160 | |
| 161 | • über welchen Zeitraum die Daten erhoben, verarbeitet und |
| 162 | genutzt werden können; |
| 163 | |
| 164 | • und die Streubreite einer Maßnahme. |
| 165 | |
| 166 | Zum zuletzt genannten Punkt hat das BVerfG ausgeführt: |
| 167 | „Grundrechtseingriffe, die sowohl durch Verdachtslosigkeit |
| 168 | als auch durch eine große Streubreite gekennzeichnet sind – |
| 169 | bei denen also zahlreiche Personen in den Wirkungsbereich |
| 170 | einer Maßnahme einbezogen werden, die in keiner Beziehung zu |
| 171 | einem konkreten Fehlverhalten stehen und den Eingriff durch |
| 172 | ihr Verhalten nicht veranlasst haben – weisen grundsätzlich |
| 173 | eine hohe Eingriffsintensität auf…. Denn der Einzelne ist in |
| 174 | seiner grundrechtlichen Freiheit umso intensiver betroffen, |
| 175 | je weniger er selbst für einen staatlichen Eingriff Anlass |
| 176 | gegeben hat. Von solchen Eingriffen können ferner |
| 177 | Einschüchterungseffekte ausgehen, die zu Beeinträchtigungen |
| 178 | bei der Ausübung von Grundrechten führen können. … Es |
| 179 | gefährdet die Unbefangenheit des Verhaltens, wenn die |
| 180 | Streubreite von Ermittlungsmaßnahmen dazu beiträgt, dass |
| 181 | Risiken des Missbrauchs und ein Gefühl des Überwachtwerdens |
| 182 | entstehen … .“ [Fußnote: BVerfGE 115, 320, 354 f.] |
| 183 | |
| 184 | Das Bundesverfassungsgericht hat eine anlasslose Speicherung |
| 185 | von Telekommunikationsverkehrsdaten zwar nicht schlechthin |
| 186 | als verfassungswidrig angesehen, aber betont, dass es sich |
| 187 | um einen besonders schweren Eingriff handele, der höchsten |
| 188 | verfassungsrechtlichen Anforderungen bei der Ausgestaltung |
| 189 | der Regelungen unterliegt. |
| 190 | |
| 191 | Je schwerer die Grundrechtsbeeinträchtigung wiegt, desto |
| 192 | höher muss das staatliche Schutzgut wiegen, um den Eingriff |
| 193 | rechtfertigen zu können. In die Waagschale gelegt werden |
| 194 | können hier z.B.: |
| 195 | |
| 196 | • die Sicherheit des Staates als verfasste Friedens- und |
| 197 | Ordnungsmacht und die von ihm zu gewährleistende Sicherheit |
| 198 | der Bevölkerung vor Gefahren für Leib, Leben und Freiheit;[ |
| 199 | Fußnote: BVerfGE 120, 274, 319 und 328.] |
| 200 | |
| 201 | • die Abwehr von Beeinträchtigungen der Grundlagen einer |
| 202 | freiheitlichen demokratischen Grundordnung; [Fußnote: |
| 203 | BVerfGE 115, 320, 358.] |
| 204 | |
| 205 | • die Sicherung der Funktionsfähigkeit wesentlicher Teile |
| 206 | existenzsichernder öffentlicher Versorgungseinrichtungen; |
| 207 | [Fußnote: BVerfGE 120, 274, 328.] |
| 208 | |
| 209 | • die Verhütung und Verfolgung von Straftaten von |
| 210 | erheblicher Bedeutung [Fußnote: BVerfGE 113, 348, 385.]bzw. |
| 211 | schwerwiegender Straftaten. [Fußnote: BVerfG NJW 2010, 833, |
| 212 | 848 Rn. 279.] |
| 213 | |
| 214 | Eine absolute Grenze der Zulässigkeit einer Datenerhebung |
| 215 | bildet die Schranken-Schranke des unantastbaren Kernbereichs |
| 216 | privater Lebensgestaltung, insbesondere im Bereich der |
| 217 | Intimsphäre. Staatliche Stellen „haben einen unantastbaren |
| 218 | Kernbereich privater Lebensgestaltung zu wahren, dessen |
| 219 | Schutz sich aus Art. 1 Abs. 1 GG ergibt. … Selbst |
| 220 | überwiegende Interessen der Allgemeinheit können einen |
| 221 | Eingriff in ihn nicht rechtfertigen … Zur Entfaltung der |
| 222 | Persönlichkeit im Kernbereich privater Lebensgestaltung |
| 223 | gehört die Möglichkeit, innere Vorgänge wie Empfindungen und |
| 224 | Gefühle sowie Überlegungen, Ansichten und Erlebnisse |
| 225 | höchstpersönlicher Art ohne die Angst zum Ausdruck zu |
| 226 | bringen, dass staatliche Stellen dies überwachen.“ [Fußnote: |
| 227 | BVerfGE 120, 274, 335.] Deshalb hat das BVerfG als |
| 228 | Voraussetzung für einen Zugriff auf einen Bereich, in dem |
| 229 | solche Kernbereichsdaten (z.B. tagebuchartige |
| 230 | Aufzeichnungen, private Film- oder Tondokumente, |
| 231 | höchstpersönliche Telefonate oder Emails) zu vermuten sind, |
| 232 | das Erfordernis besonderer gesetzlicher Vorkehrungen |
| 233 | aufgestellt, um den Kernbereich der privaten |
| 234 | Lebensgestaltung zu schützen. [Fußnote: BVerfGE 120, 274, |
| 235 | 336 ff.]So lässt sich die (beiläufige) Erfassung solcher |
| 236 | Daten nicht immer verhindern. Jedoch sind entsprechende |
| 237 | Maßnahmen abzubrechen, sobald erkannt wird, dass sie in den |
| 238 | Kernbereich vordringen oder zumindest im Nachhinein umgehend |
| 239 | zu löschen. [Fußnote: BVerfGE 120, 274, 337.] |
| 240 | |
| 241 | Aber auch unabhängig von diesem Kernbereich hat der |
| 242 | Gesetzgeber „organisatorische und verfahrensrechtliche |
| 243 | Vorkehrungen zu treffen, welche der Gefahr einer Verletzung |
| 244 | des Persönlichkeitsrechts entgegenwirken.“ [Fußnote: BVerfGE |
| 245 | 65, 1, 44.] Dazu gehört auch die Sicherheit der Daten. So |
| 246 | hat das BVerfG in seiner Entscheidung zur |
| 247 | Vorratsdatenspeicherung vor allem die „gesetzliche |
| 248 | Gewährleistung eines besonders hohen Standards der |
| 249 | Datensicherheit“ eingefordert. [Fußnote: BVerfG NJW 2010, |
| 250 | 833, 840 Rn. 221.] |
| 251 | |
| 252 | Im Falle des heimlichen Zugriffes auf die |
| 253 | Datenverarbeitungsanlagen von Privatpersonen durch |
| 254 | Sicherheitsbehörden (sog. Online-Durchsuchung) bestehen |
| 255 | besonders hohe Hürden für den Gesetzgeber, die sich |
| 256 | vorrangig aus dem neugeschaffenen Grundrecht auf |
| 257 | Vertraulichkeit und der Integrität informationstechnischer |
| 258 | Systeme ableiten. Sie sind nur zulässig, wenn Gefahren für |
| 259 | überragend wichtige Rechtsgüter bestehen, die sich in |
| 260 | Gestalt von tatsächlichen Anhaltspunkten einer konkreten |
| 261 | Gefahr manifestieren. Neben dem grundsätzlich geltenden |
| 262 | Vorbehalt richterlicher Anordnung müssen u.a. auch |
| 263 | Vorkehrungen getroffen werden, die den Kernbereich privater |
| 264 | Lebensgestaltung schützen. |
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